Archiv fuer August, 2009


Turbulenter Zwischenspurt

Mittwoch, 26.August 2009

14. - 18.08.09

Nun geht es Schlag auf Schlag, im Eilverfahren lerne ich viele Orte dieser faszinierenden Insel kennen. Die Eindrücke werden wohl noch wochenlang nachklingen. Mein guter Freund Dirk Schelpmeier begleitet uns auf diesem Tourabschnitt und dokumentiert das Geschehen fotografisch.

Am Fr.,14.08. spielten wir in Folelli (Fulelli) mitten im Ort, ganz in der Nähe lebt Jean-Francois Bernardini. In der Nacht sind Joshua, Dirk und ich an den Flughafen-nahen, dort schier endlosen Sandstrand gepilgert, um endlich noch einige Sternschnuppen der Perseiden zu erhaschen. Unternehmen vollends geglückt, in bezauberndem Ambiente!

Der folgende Tag in Isula Rossa (Ile-Rousse) an der Nordküste, wiederum sehr beliebt bei Touristen ob seiner herrlich ausladenden Strände, geht bei 17 Mitstreitern des I Muvrini–Teams eher als „nur das Überleben zählt“ ins Tour–Tagebuch ein, überfiel sie doch über Nacht ein Magen–Darm Infekt mit heftigstem Durchfall, begleitet von Bauchkrämpfen und Gliederschmerzen. Alle haben tapfer durchgehalten, obgleich man ihnen die Strapazen ansehen konnte. Mich hat es erst einen Tag später erwischt, allerdings in abgeschwächter Form. War trotzdem froh, das Konzert ohne entsprechende Vorfälle zu Ende spielen zu können. Dieses begab sich am So.,16.08. in San Cipreanu, ganz in der Nähe von Porto Vecchio.

Die Tage der deutschen Reisegruppe sehen in etwa so aus: Aufstehen am späten Vormittag, frühstücken im Hotel in Bastia, das ist Musiker-freundlicherweise bis 13.00 Uhr möglich, danach dann irgendwann einmal Aufbruch zu irgendeinem Strand auf dem Weg oder am Ziel da selbst, Soundcheck gegen 18.30 Uhr, Abendessen, entweder Backstage oder in einem nahe gelegenem Restaurant, Konzert von 22.00–00.30 Uhr, umgezogen und Sachen gepackt gegen 01.00 Uhr, gegebenenfalls noch ein abschließendes Getränk in einer schönen Hafen-Bar im Spielort, wenn es sich so ergibt, gefolgt von der Rückfahrt zum Hotel nach Bastia. Dort kommt man nicht umhin, an der Hotelbar ein paar resümierende Sätze auszutauschen, über die überstandene Fahrt zu witzeln oder / und den nächsten Tag zu planen.

Den folgenden zweiten und letzten Offday verbringen wir ganz entspannt mit Ausschlafen, Tintenfische ärgern in der Nähe von Erbalunga an der Nord-Ost Küste, hiernach Moules Frites an der Uferpromenade und den nächtlichen Ausklang auf dem Place Saint Nicolas in Bastia geniessen, gefolgt vom Absacker im Hotel.

Der nächste Gig am Di., 18.08. läutet die letzte Konzert–Rutsche mit acht aufeinanderfolgenden Auftritten ein und bedeutet gleichzeitig den letzten gemeinsamen Korsika–Abend mit Joshua & Dirk. Ort des Geschehens ist San Florent (San Fiurenzu), einmal von Bastia aus flugs westlich über den Berg gehuscht. Dort spielen wir im Innenhof einer alten Zitadelle mit fantastischem Ausblick auf die große Bucht von St. Florent mit all den gerade in den Hafen zurückkehrenden Booten, nein, was sage ich: Yachten der edelsten Kategorie, ein schier unendliche Phalanx von Geldvernichtungsobjekten. Wer mag da an Krise denken. Der Abschied nach quasi schlafloser Nacht am ganz frühen Morgen liegt noch länger schwer im Magen, wie immer, wenn geliebte Menschen gehen.

Ein Hauch von Urlaub

Dienstag, 18.August 2009

09. - 13.08.09

Do.13.08.
Wir liegen gerade für ein kurzes Intermezzo am Strand von Tuccia, ca. 20 km nördlich von Ajaccio, wo wir die vergangenen beiden Nächte wegen naheliegender Gigs verbracht haben. Joshua versucht Freundschaft zu schließen mit einem ortsansässigen, tatsächlich im seichten Wasser Fische fangenden Hundemischling. Die heutige Fahrt führt uns nach Vico, auf halbem Weg in die Berge. Nachher nachts zurück nach Bastia, unser Heim, auf abenteuerlichen Straßen, so wurde es mir prophezeit.

So. & Mo., 09. & 10.08.09
Offday und anschließender Gig in Bastia, das klingt fast nach Urlaub. Der freie Tag vergeht mit Sonnen, Schnorcheln und gemeinsamen Abendessen mit vielen von der Crew & Band natürlich rasend schnell.
Das Konzert gestaltet sich etwas weniger euphorisch als von mir vermutet, aber, so wird mir aus berufenem Munde berichtet, so sind sie nun mal, die Korsen. Leicht stur und gemächlich, fast schon karibisch. Hatte ich mangels Erfahrung doch eher lautes bis hitziges Temperament erwartet, so geht es hier durchaus lässig zu, was sich ab und an bei gerade noch akzeptablen Wartezeiten im Restaurant wie auch beim erstaunlich geringen Hup–Pegel im Stadtverkehr zeigt - kein Vergleich zu den italienischen Nachbarn!
Natürlich war das Publikum letztlich wieder begeistert, man braucht halt etwas länger…….

Di.,11.08.09
Langsam aber sicher gehen mir die Superlative aus, muss wohl neue kreieren oder besser haushalten. Aber es ist so unglaublich schön, der Mund geht kaum noch zu. Wir verlassen die Küstenstraße bei Solenzara und sofort steigt das Gelände unaufhörlich an. Schon nach wenigen Kilometern sind wir mitten im Naturpark mit tiefen Canyons und Schluchten, Flüssen, umlagernde Gipfel und Ausblicke bis zum Rand der Welt, so könnte man meinen. Josh und ich halten oft an, genießen die Momente, wandeln herum, fotografieren und saugen diese majestätische Natur - Pracht tief in uns auf. Bereits die alten Griechen nannten diese Insel: „die Schöne“!
Wir landen in dem winzigen Bergdorf Carbini, wo uns der einzige und urige Gastwirt bestätigt, das dort 51 Menschen leben. Gespielt wird neben einer Kapelle aus dem 12 Jahrhundert. Als die Sonne untergeht, fällt die Temperatur fast sofort um bis zu 15 Grad.
Erstaunlich, aber wahr: trotz der schwierigen und langwierigen Anfahrt auf äußerst kurvigen, engen und entsprechend langsamen Pässen kommen hier Leute zum Konzert.

Mi.,12.08.09
Raus aus dem Hotel in Ajaccio und 5 Minuten später schon rein ins Meer. Wir 2 Meinerts finden auf Empfehlung schnell einen pittoresken Strandabschnitt. Schnorchelnderweise kann ich wiederum kleinere Meeresbewohner beobachten, dieses Mal inmitten zivilisatorischer Überreste, evtl. alte Gebäude, Mauern, Rampen für Boote? Am Abend spielen wir in Porticchio (Purticchiu), ein sehr belebter Touristenort ganz in der Nähe. Einige in der Band sind bedrückt. Letztes Jahr wurde dort vor ihren Augen im Restaurant jemand erschossen - möglicherweise eine Vendetta. Das Konzert bringt alle auf andere / bessere Gedanken. Wir beschließen die Nacht mit exzellentem Eis oder Crèpes am Meer, je nach Vorliebe.