Tunesien

29. – 31.07.09

Mi., 29.07. Reise nach Tunis und Erkundung von Karthago

Und wieder mal heißt es: Koffer packen, Instrumentarium & Technik sehr gewählt reduzieren und auf weitere Mitreisende verteilen, denn früh morgens um 05.30 Uhr brechen wir auf zum Flughafen von Bastia. Über Marseille fliegen wir nach Tunis. Ich habe das Glück, in der frühen Anschlußmaschine gebucht zu sein, zusammen mit 3 Korsen. Schon auf der Fahrt vom Carthage–Airport zum Hotel nach Tunis arrangiere ich meinen Ausflug nach Karthago und Sidi Bou Said. Der Bruder unseres Chauffers, er spricht gefühlte 20 Sprachen, handelt mit mir am Telefon den Preis für Fahrt– und Wartedienste aus. Wir einigen uns. Um 13.30 Uhr geht es los, bei annähernd 40 Grad begebe ich mich auf die Zeitreise in die verschiedensten Epochen dieser legendären Stadt, so oft ausgelöscht und wieder auferstanden. Heutzutage dient es als bevorzugte Wohngegend betuchter Tunesier, auch der Präsidentenpalast thront hier bestens bewacht.

Mein Hauptinteresse gilt dem antiken Abschnitt dieser Kultur, und wenngleich von den Römern gründlich zerstört, fördern die mannigfaltigen Ausgrabungen immer wieder Artefakte des punischen Karthagos zutage. Ich bin in meinem Element und lege in meiner Begeisterung gut und gerne 10 Km oder mehr zu Fuß bei sengender Hitze zurück, angetrieben vom Amateur–Forscher–Drang und befeuert von so einigen „Schauer“-Erlebnissen, außerdem habe ich ja nur diesen einen Nachmittag!

Eine kleine Enttäuschung bietet zum Abschluß meiner Exkursion der kurze Abstecher nach SIDI BOU SAID. Nicht, das dieser malerische Künstlerort was von seiner Schönheit eingebüßt hätte – man nimmt sie nur nicht mehr wahr. Menschenmassen aus Touristen, einheimischen Ausflüglern sowie Verkäufern mit ihren Ständen sorgen zumindest heute dafür, das niemals Besinnlichkeit & Inspiration aufkommen kann. Der Lärm und pilgerartige Bewegungspegel beugen dem schonungslos vor. Da versuche ich mir meinen allerersten Eindruck von 1977, so glaube ich jedenfalls, wieder ins Gedächtnis zu rufen – einfach traumhaft. Vielleicht sollte ich es noch einmal im Winter probieren……. Müde, fußwund und halb verdörrt kehre ich am Abend dennoch sehr glücklich zurück ins Hotel. Ich werde eine gute Weile brauchen, die vielen Eindrücke zu verarbeiten.

Do., 30.07. Konzert mit „I MUVRINI“ in Hammamet

Denn zuerst ruft wieder einmal die Pflicht, der Grund meiner Anwesenheit. Obgleich auch die ur-eigentliche Tätigkeit der Erfüllung dieser Aufgabe alles andere als Zwang, Druck oder ähnliches für mich bedeutet, nimmt sie mich dennoch in Beschlag. Eine tolles Venue, einem Amphietheater ähnlich, direkt am Meer gelegen soll es heute sein – noch Fragen? Was soll ich sagen, unter diesen Umständen, in sternenklarer Nacht mit Halbmond und vor ca. 750 erwartungsfrohen Zuhörern ist die Magie schon fast eine logische Folge, vor allem in den Momenten der Polyphonie der alten korsischen Gesänge, mehr oder weniger a capella, d. h. ohne Instrumente vorgetragen.

Fr., 31.07. Rückkehr nach Bastia

Spät in der Nacht geht es zurück ins Hotel nach Tunis. Nach zweistündigem Schlaf Aufbruch zum Flughafen, um dort zu erfahren, das der Flieger 4 Stunden Verspätung hat. Daraus werden dann schlußendlich 7 Std., während der wir uns im stark klimatisierten Airport–Gebäude aufhalten müssen. Aus lauter Langeweile beginnen wir zu jammen. Es ist so kalt, das man schon um die Gesundheit fürchtet! Und beim Einstieg in den riesigen Airbus sehe und höre ich noch 2 tunesische Mechaniker mit dem Hammer auf Teile der Ladeluke einschlagen – sehr beruhigend. In Marseille angekommen gehöre ich dann wieder zu den 6 Glücklichen, die im Laufschritt noch Platz in der bis auf den letzten Sitz gestopften Maschine nach Bastia finden. Die anderen treffen erst gemeinsam mit unserem Gepäck gegen Mitternacht ein – da sitzen wir schon längst wieder im „Vieux Port“, bereits gut gesättigt und aklimatisiert. Vor uns liegen 3 intensive Probe–Tage und dann endlich meine Korsika „Live“ – Premiere.

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