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Das I MUVRINI-SOMMER-MENUE: Casse-croute II

Mittwoch, 8.September 2010

Casse-croûte zum Zweiten oder kleine Rast am Berg

Auf meiner Fahrt zum bereits sehr lieb gewonnenen Haus vom Chef stehen die Autos auf allen moeglichen Zufahrtsstrassen in Richtung Bastia-Port und nichts ruehrt sich, sogar raus bis zum Flughafen. Heute ist wohl Hauptrueckreisetag in Frankreich, im Internet las ich bereits von 400 Km Staus auf den Autobahnen, und ausgerechnet dann streiken die Faehrarbeiter. Sehr wirkungsvoll, habe keine Ahnung, wie und wann sich das Ganze aufgeloest hat. Nur gut, das ich zu bleiben geplant habe. In den folgenden Tagen lasse ich Geschehenes mal Revue passieren, goenne mir Ruhe und Erholung im Haus am Berg und am Strand, die nur eines nachmittags nachhaltig gestoert wird: Schuesse! Stephane hatte mir bereits vor ein paar Tagen erklaert, auf meine Frage hin bezueglich ploetzlich gelegentlich erscheinenden Gewehrtraegern, das die Jagdsaison auf Wildschweine eroeffnet ist, ab Mitte August. Die Jaeger befinden sich unter mir im Tal und die Schuesse werden von den umgebenden Berghaengen viele Sekunden lang wiedergegeben, es klingt teilweise wie ein Kreuzfeuer mit Hallfahne… …arme Schweine!

Darueber hinaus gibt sich eine Gottesanbeterin die Ehre, sie praesentiert sich zum Photoshooting sehr Model-gerecht auf der Glastuer zur Terasse.

Nun moechte ich fuer den interessierten Leser das Live-Programm kurz inhaltlich wiedergeben. Verantwortlich hierfuer ist zu 100% Jean-Francois Bernardini. Er schreibt alle Songs, singt die meisten Lead-Vocals und spricht die Moderationen, wie er sich auch um die weiteren Belange der Show kuemmert, bezueglich Licht, Ton, Buehne usw. Das geht meiner Meinung nach leider etwas zu Lasten der polyphonen Gesaenge, die ich sehr gerne oefter hoeren wuerde, aber I Muvrini hat so einen bemerkenswerten internationalen Stellenwert und Erfolg erreicht, als ehemals reine traditionelle Gesangsgruppe von einer Mittelmeerinsel schon beinahe unglaublich.

Hier die Songtitel mit Anmerkungen meiner(t)seits und kurze Inhaltsangaben, soweit bekannt, zu seinen Ansagen:

ELLI A SANU – Sie Wissen Es

Mit diesem Titel eroeffnen wir die Show, einer der schoensten Songs des neuen Albums, wie ich finde. Alain singt meistenteils die Hauptstimme und durch die Konzertgitarrenmelodie ensteht ein wenig „Fields of Gold“-Stimmung. Gedanken ueber die Sehnsucht in die Ferne zu ziehen und die Gabe, doch immer wieder zurueck zu finden.

GIOIA – Freude

Titelsong des letzten Albums, rockig, mit Dudelsack und pinkfloydiger Gitarre. Wie der Name schon sagt, ein frohes Lied ueber die Lebensfreude & Optimismus, was zu vermitteln gilt.

DI QUALE SIL ´AMORE ….ueber die Liebe……

Ansage: Begruessung & Touareg: Beim Besuch seiner Freunde aus der Wueste bestaunten diese einen Wasserfall und wollten gar nicht mehr fortgehen, sondern bleiben, bis der stete Wasserfluss versiegt. Es fiel ihnen schwer, dieses Wunder zu begreifen.

AGNUS DEI

Polyfonie.

Ansage: Saint Exepury: Er verbrachte seine letzte Zeit auf Korsika, wo er bei einem Aufklaerungsflug abgeschossen wurde, wie man erst kuerzlich herausgefunden hat. Ueberliefert ist, das er fuer die Kinder Papierflugzeuge gebastelt hat. Seiner Meinung brauchen nicht nur die Blumen und Pflanzen Gaertner, die sich um sie kuemmern, sondern die Menschen ebenso.

CANZONA PE SARAH – Lied Fuer Sarah

Hier geht es um ein vierzehnjaehriges Maedchen, die sich den korsischen Traditionen des Landlebens verbunden fuehlt und die Schule und den Erkenntnissen des Lebens der normalen Schule vorzieht. Es werden Zitate des Maedchens eingespielt.

Ansage Umwelt: Zum geplanten Chemie / Schweroel-Depot in Ajaccio und Lucciana, nahe am Flughafen Bastia. Bei jedem Gig gibt es einen Stand, der Aufklaerungsbroschueren dazu verteilt und Unterschriften dagegen sammelt.

QUANDU SENTERA – Wann Hoerst Du Zu?

Ein beschwingter Titel mit langem, virtuosem Violinen-Solo.

ORA SARÀ – Es Wird Zeit

Ein froehlich anmutender Titel, mit schnellen Beats, der sich als Protestsong entpuppt. Hier ruft man auf zum Mitsingen, laut werden, um globale Armut, Missstaende, Ungerechtigkeiten und Unterhaltungsflachheit anzuprangern: Es wird Zeit!

Ansage: Er fragt Korsika, was es den Menschen gibt, was es plant, wie es in Ihr aussieht. Und er fragt die Menschen dasselbe: was tut ihr für Eure Erde, Euer Land?

ALMA die Seele……., Polyfonie auf dem Keyboardbett mit Verzaubervioline

Ansage: sein Freund Vincent, 101 Jahre alt und fuer ihn wie ein Vater, redet ueber das Leben. Jeden Morgen, wenn er aufsteht, nimmt er sich vor, nicht zu urteilen, nicht zu verdammen, sondern versuchen, zu verstehen. Und gibt er Dir die Hand, so ist es der Haendedruck eines kraeftigen jungen Mannes.

TI DICU DI TU – Ich Duze Dich

Auch hier werden Zitate eingeflogen, von Vincent, J-F`s 101-jaehrigem Freund. Er erzaehlt aus vergangenen Zeiten, dem Wandel des Lebens, den Veraenderungen der Wertigkeiten. Ich darf mich mit der klassischen Gitarre einbringen.

UN TINE SCURDA

vergiss Dich selber nicht, wer und wo Du bist, was Du tust. Alain singt dieses Lied unvergleichlich und Cesar bekommt ein wunderbares Feature. Er singt in seiner Heimatsprache von der Elfenbeinkueste und laesst das Publikum nachsingen, was zu kuriosen Verlautbarungen fuehrt.

Ansage: Lingua Corse, eine humorvolle Reise durch die korsische Sprache

Di – Du ……ein Liebeslied……

BONAFURTUNA – Viel Glueck

wuenscht es in allen moeglichen Lebenslagen, in den menschlichen Anliegen

Ansage: Petro-Tomaten, das Landwirtschaftsprogramm der EU zu Beginn der Achtziger Jahre fuehrte u.a. zur Begegnung von zwei LKWs im Rhonetal: Dort stiessen sie zusammen, jeweils beladen mit Tomaten, einer aus Holland fuer Spanien bestimmt, der andere aus Spanien kommend fuer Holland bestimmt

GAIA …die Liebe aus der Tiefe der Erde, hier wird das Publikum zum Mitsingen aufgefordert

QUAND HE
Wann…….

A VOCE RIVOLTA …eine starke Stimme fuer die Welt. War ein Hit in den Neunzigern, mit Dudelsack und recht hymnisch……

Danach dann die Zugaben:

TU MI MANCHI ….ich vermiss Dich, ein Lied ueber die vor 2 Jahren verstorbene Mutter der Brueder

AMSTERDAM von Jacques Brel, einziger Cover-Song im Programm, fuehrt jedesmal zu Begeisterungsstuermen

INSEME SI PO Gemeinsam koennen wir es, gelingt es. Ueber die Bereitschaft zur Hilfe…..

UNA TERRA NOVA – Eine Neue Welt

haben wir 3 mal gespielt, immer bei Anwesenheit von Grand Corps Malade. Hier geben J.F. & GCM Ein – und Ausblick in ihre Welten und hoffen auf Positives.

Textauszug:
Eine neue Welt die dein Herz erprobt
Eine neue Welt, die dein Herz findet

Eine menschliche Welt, als Quelle des Glücks
Eine menschliche Welt, in der jeder Samen aufgeht

Eine neue Welt, die dein Herz entdeckt
Eine neue Welt, die in deinem Herzen entsteht

INSEME – Gemeinsam, Zusammen

haben wir nur manchmal gespielt, J.F. am Piano, ich Konzert-Gitarre, und die Bernardini-Brueder singen dazu. Einer der ersten I Muvrini-Hits, auf Korsika, aus den Siebzigern, irgendwie kultig.

FATE – Fuehlen Wie Niemals Mehr

J.F. spielt Piano, die beiden Brueder singen und ich steuere einen athmosphaerische Strat bei, anfangs mit Schwell-Sounds, spaeter dezent solistisch….

TU SERAS UN HOMME MON FILS ist ein Gedicht von Rudyard Kipling, es ist seit Bastia mit im Zugabenblock. Achim unterstuetzt die Lesung mit der Musik von Una Terra Nova.

QUI SIN A L`UMANITA – Menschlichkeit Ewig

ist erst waehrend der Suedfrankreich-Tour entstanden. Der unwiederbringlich letzte Song der Show, mit Kindern, die auf beschrifteten Tafeln den recht einfachen Text halten, damit das Publikum mitsingen kann.

( Photos: Tatjana Turzer, Stella-Maria Guisepacci & Mickey Meinert )

Das I MUVRINI-SOMMER-MENUE: Plat N. 3

Dienstag, 31.August 2010

Un menu de plusieurs plats – Mehrgaengige Hauptmahlzeit auf Korsika – Plat N. 3

Meine Begeisterung vom letzten Jahr fuer die unglaublichen Klippen von Bonifazio bekommt auch Joshua zu spueren. Wir machen den langen Abstieg und obwohl leicht bewoelkt, ist mein Sohn genauso schwer begeistert von den bizarren Kalkstein-Felsformationen, wo manch Wagemutige sich furchtlos ins Wasser stuerzen, teilweise aus ueber 10 Metern Hoehe. Beim Schnorcheln komme ich ebenfalls wieder auf meine Kosten, allerdings wird das Vergnuegen etwas gemindert durch beachtliches Quallen-Aufkommen, was einiges an Aufmerksamkeit beansprucht.

Wir essen abends im Hafen, decken uns zuvor mit Vorraeten ein und fahren dann auf gut Glueck Richtung Osten um einen geeigneten der vielen beschilderten und ausgewiesenen Sandstraende zu unserem Nachtlager zu machen. Ich mute meinem alten Wagen dann doch einiges zu, es geht ueber sehr holprige Offroad-taugliche Wege hier und da Richtung Strand, aber immer enden diese muehsamen Zubringer vor verschlossenen Toren, versehen mit Schildern wie: Privatbesitz, Betreten wie Durchgang/fahrt verboten. Kein Wunder also, das so manch Korse sauer ist, wenn er nicht einmal mehr freien Zugang zu seinen tollen Straenden hat, sind die Privatisierungen doch zumeist reicheren Kontinental-Franzosen zuzuschreiben, welche sich hier in prachtvollen Villen Niederlassungen aneignen, manchmal auf nicht ganz transparente Weise. Schliesslich werden wir doch noch fuendig, dieser formidable Strandabschnitt nennt sich: Plage Cala di Ciapili, einfach wunderschoen! Ein paar Italiener haben sich bereits eingefunden und wir machen es uns einige hundert Meter entfernt bequem. Schnell noch gegen die Moskitos gewappnet, unbedingt erforderlich, einen guten Tropfen Rotwein entkorkt und Blick nach oben. Obwohl gelegentlich bewoelkt, bringe ich es auf etwa 50 Sternschnuppen. So viele Wuensche gibt es doch gar nicht… Gegen 4 Uhr zieht es endgueltig zu und wir geben uns der Muedigkeit hin, um 4 Stunden spaeter vom Regen! geweckt zu werden. Es bleibt festzustellen: so hart, wie es auf Sand auch ist, mein Ruecken haelt, die Sturzverletzung ist unwiderbringlich ausgeheilt! Wir verziehen uns ins Auto, wo es bald darauf zu heiß wird als die Sonne wieder durchbricht, so dass wir uns erneut an den Strand begeben. Dort wird es stuendlich belebter, fest in italienischer Hand, und wir holen uns eine ordentliche Droehnung Braeune ab.
Dann ruft bereits wieder die Musik und wir begeben uns auf die kurze Anfahrt nach Porto Vecchio, wo wir erst einmal eine erfrischende Dusche nehmen. Meine Kollegen aus Bastia wundern sich ob des schoenen Wetters, gingen im Norden bei schwarzem Himmel doch Sturzfluten nieder.
Das Szenario verlaeuft eigentlich immer gleich. Der Soundcheck beginnt mit den Drums, hernach werden schnell alle Instrumente angespielt und endlich auch der erste Titel: „Di Quale Sil ´Amore “, als Referenz sozusagen, gefolgt von einigen anderen mit entsprechend verschiedenen Instrumentierungen. Waehrend all der Zeit ist Jean-Francois vorne, oftmals bei Spiko, um mit ihm Feinheiten zum Sound zu diskutieren, er laeuft aber auch stets das gesamte Terrain des Publikums ab, ob der Sound auch in wirklich jeder Ecke und in jedem Winkel gut ist, was nicht selten dazu fuehrt, das er eigenhaendig die Stuehle umstellt oder noch die millimetergenaue Drehung der Delayzeilen veranlasst. Er ueberlaesst jedenfalls nichts dem Zufall und kuemmert sich um jedes Detail, ja, hier kocht der Chef! Irgendwie bewundernswert, er laesst darin niemals nach und hat ganz genaue Vorstellungen. Wohlgemerkt, hier geht es um die 2 Prozent extra, die man gerne immer herauskitzeln moechte… Abschliessend macht J.F. immer noch seinen persoenlichen Buehnencheck fuer FoH wie auch Monitoring.

Danach wird gegessen, meistens Backstage. Dafuer sorgt Pasqual, von den meisten scherzhaft Boccuse genannt. Die Speisen werden von ausserhalb hergebracht, er uebernimmt das Tischdecken und die Anrichtung. Alles recht einfach, so kann es schon mal dazu fuehren, wenn z.B. frisches Obst zum Nachtisch gereicht wird, das man eine Graete in der Nektarine findet, da man den Einwegteller weiter benutzt.

Am naechsten Tag traegt der Himmel meine Gemuetslage aus: Es regnet fast den ganzen Tag lang und ich bin traurig, weil Joshua mich nach 10 verflogenen Tagen wieder verlaesst.
Daheim warten das Studium und seine Band „Die Strubbelpeters“ auf ihn.

Alle sind auf Stand by, bis gegen 17.00 Uhr die endgueltige Zusage fuers Konzert eingeht.

Auch Grand Corps Malade mischt wieder mit. Das nachhaltig schlechte Wetter kostet Besucher, aber das ist nun mal das Risiko von Freiluftveranstaltungen, welches sich auf Korsika durchaus in Grenzen haelt. Loic baut eine improvisierte Bar im Backstagebereich zu Ehren seines Geburtstages auf. Eine tolle Geste! Bei dieser Gelegenheit moechte ich schnell auch noch meinen Dank loswerden an die gesamte Belegschaft des Best Western Hotels in Bastia. Wir duzen uns alle, werden mit Kuesschen links-rechts begruesst wie gute Freunde und geniessen so ziemlich alle Freiheiten. Es gibt endlos Fruehstueck incl. Extrawuenschen wie z.B. frisches Obst und nachts bekommen wir jederzeit zu Essen und Trinken. Da hebe ich dann doch unsere im Wechsel arbeitenden naechtlichen Portiers Nicolas und Jean-Daniel heraus! So findet sich nach fast jeder Show ein illustrer Kreis an der Hotelbar ein.

Unser naechster Auftritt fuehrt uns in die Berge nach Bucugnano in ueber 1000 Meter Hoehe. Die relative Einsamkeit des Ortes, der entsprechend weite und anspruchsvolle Anreiseweg sowie die niedrigen Nachttemperaturen mindern erwartungsgemaess die Besucherzahl. Die Unentwegten, in dicke Maentel gehuellten werden trotzdem nicht enttaeuscht und bekommen das volle Programm serviert, obgleich die feuchte Kaelte in uns allen hochkriecht und die klammen Finger etwas Ueberredungskunst einfordern. Landschaftlich ist diese Gegend allerdings wieder ein Hochgenuss, wovon Andy`s Photos zeugen.

Waehrend Stephane Cesar und mich zum naechsten Gig in Isula Rossa oder franzoesisch Ile Rousse chauffierte, wurde uns telefonisch die Absage uebermittelt. Der sehr starke Wind hatte einen Lautsprecherturm, die sogenannte Delay-Zeile umgeschmissen. So war die Sicherheit nicht mehr gewaehrleistet. Derart wurde uns ein unerwarteter Offday beschert, der natuerlich im Vieux Port von Bastia zur Abendstunde abgehalten wurde. Auch wird direkt ein Nachholtermin fixiert, gleich hintendran gehaengt sozusagen, wo gluecklicherweise alle Mitwirkenden zur Verfuegung stehen. In den letzten Tagen bin ich bereits des oefteren mit Stephane gefahren, trotz Warnung, da er einen Ruf als sehr flotter, draufgaengerischer Fahrer geniesst. Ich muss sagen, Angst habe ich nicht bekommen, schnell ist er trotzdem….
Er singt die hohen Stimmen bei I Muvrini und ist natuerlich auch mit der Polyphonie aufgewachsen. Nichtsdestotrotz liebt er unter anderem AC/DC und spielt auch Gitarre, z.B. in der Band von Alain Abad. Ausserdem ist er ein lieber, warmherziger und sehr humorvoller Korse mit toskanischen Wurzeln.

Wir verabreden eine zukuenftige Zusammenarbeit, gleich nach der Tour wollen wir uns in Jean-Francois` Haus treffen um Gesangsaufnahmen fuer meine neue Produktion zu machen.

In Campuloru an der Westkueste spielen wir wieder mit dem Ruecken zum malerischen kleinen Segelhafen. Das Wetter ist besser und stabil, das Konzert ist bombig besucht und der Crew-Kuehlschrank entwickelt sich immer mehr zu einem Kultobjekt, eine dreiseitige Leinwand fuer allerlei Sprueche nicht nur rund um den Alkohol.

Purtichju, am Golf von Ajaccio gelegen, bringt uns noch einmal die lange Autofahrt diagonal ueber die Insel. Wie so oft, machen wir nach zwei Drittel der Strecke eine kleine Siesta im hoeher gelegenen und bezauberndem Vivario, etwa 20 Km hinter Corte.

Wir erleben wiederum Begeisterung und volles Haus im sehr touristisch gepraegtem Ort. Der Blick ueber die riesige Bucht zum Abendrot stimmt mich zuvor fast schon melancholisch auf das nahende Ende der diesjaehrigen Giru Corse ein. Direkt gegenueber winken bereits die Lichter Ajaccios zu uns herueber.

Mit Cesar bin ich mir in einigen tiefer gehenden Gespraechen noch naeher gekommen. Es macht mich sehr wuetend, als er von den vielen Problemen & Schikanen erzaehlt, die er als Schwarzer immer noch tagtaeglich erfaehrt, wie ihm fast ueberall mit groesstem Misstrauen und oftmals mit Ignoranz begegnet wird. So krass habe ich das in diesem Teil der Welt nicht mehr erwartet. Es erfuellt mich mit Stolz und Freude, das er mir seine unvergleichliche Stimme auf dem Song „Wahr / Veritas“ schenkt.

Auf dem Schulgelaende in Lucciana, ganz in der Naehe vom Flughafen von Bastia, findet analog zur vorletzten Show auch die obligatorische Crew-Party statt, mit allerhand korsischen Leckereien wie auch einigen Reden & Spaessen. Es geht sehr herzlich zu und unterstreicht einfach noch einmal die tolle und harmonische Athmosphaere untereinander. Ja, hier fuehle ich mich wirklich sauwohl!

Und gespielt haben wir natuerlich auch noch………..

Hatte ich fast erwartet, das unsere letzte Show eventuell nicht so gut besucht sein wuerde, da sie ja sehr kurzfristig als Nachholtermin angesetzt wurde, so war diese Befuerchtung voellig unbegruendet. Isula Rossa bot allen ein grandioses Finale, sogar die Crew gab sich abschliessend die Ehre auf der Buehne und, wie eben so ueblich bei Tourende, lachte auch ein wenig Schabernack. Alles aber im Rahmen und so ging man nach vielen Bye-Byes, Umarmungen, Kuesschen links/rechts usw auseinander, schnell noch zusehend, meine Wunschinstrumente nebst Zubehoer mitzubekommen, da ich weiterhin auf Korsika zu verweilen gedenke. Ein Drink noch mit den Korsen im Centrum, danach zurueck ins Best Western nach Bastia, wo der harte Kern noch bis 05.30 Uhr morgens Abschied nahm.

Das wars mit den Hauptgaengen, viele Geschmacksrichtungen, Ueberraschendes und Erwartetes, spezielle Gewuerze, bunt angerichtet, wohlschmeckend, da mit viel Liebe gekocht! Und bevor es zum Dessert geht, lass ich alles erst einmal sacken, hoeher oben, im Haus am Berg!

( Photos: Joshua Meinert, Spiko, Stella-Maria Guisepacci, Andy Doig & Mickey Meinert )

Das I MUVRINI-SOMMER-MENUE: Plat N. 2

Samstag, 28.August 2010

Un menu de plusieurs plats – Mehrgaengige Hauptmahlzeit auf Korsika – Plat N. 2

Der Nachmittag am Strand ganz in der Naehe des Flughafens hat sehr gut getan, im „Buccaneers“, einer Piratenbar, gabs den obligatorischen Sundowner und den Abend verbrachten wir wiederum im „Jean Barts“, unserem Restaurant im Vieux Port Bastia`s. Mal sehen, was das Ueberraschungsmenue noch so zu bieten hat.
Auf dem Weg zum Konzert in Ghisonaccia machen Joshua und ich an einem der vielen einladenden Straende der Ostkueste halt. Dabei entdecken wir endlos scheinende Weinkulturen, ueberwiegend blaue Trauben, so weit das Auge reicht, und dann ganz in der Naehe auch eine verarbeitende Produktionsanlage von dem Hersteller „President“. Wir spielen auf dem Gelaende einer Schule, eine Band der dortigen Musikschule eroeffnet den Abend durchaus niveauvoll. Hier schiesst Shelly`s Tochter Stella-Maria tolle Live-Photos.

Heute ist Jean-Francois besonders stolz, so wird mir mitgeteilt. In der Tageszeitung „Corse Matin“ erscheint eine ganzseitige Anzeige des von ihm mitbegruendetem Vereins „Fundazione di Corsica“ in der es um die Erhaltung, Foerderung und Verbreitung der korsischen Sprache als Kulturgut geht. Das Programm nennt sich: Lingua Viva, also lebendige Sprache.

Fuer das wirklich unglaubliche Licht-Design auf der „Gioia-Tour“ ist Andy Doig zustaendig, er arbeitet sonst auch fuer Prince, Jean-Michel Jarre, Toto u.v.a. Als begeisterter Kite-Surfer nutzt er jede sich bietende Gelegenheit zur Ausuebung dieses sehr sportiven Hobbys und findet um Korsika natuerlich allerbestes Terrain und optimale Voraussetzungen vor.

Zur Entwicklung meiner Sturzverletzung gibt es positives zu vermelden: Man beginnt, Scherze ueber meinen Abflug zu machen, nennt die entsprechende Passage liebevoll „the Mickey-Trap“ und fast alle machen bei meinen zahlreichen Buehnenabgaengen anl. Soundcheck, Spielpausen, Zugaben usw. Spring-, Hecht- oder Fluggesten und singen gelegentlich dazu „Volare“, „Fliegen“. Wenn man jetzt so darüber lachen kann, dann ist wohl wirkich alles sehr gut verlaufen. Aber ich muss selber schmunzeln, spaetestens bei der Betrachtung meines verlaengerten Rueckens im Spiegel. Das Haematom schaut so aus, als sei ich im Nichtvollbesitz meines Verstandes, also berauscht, zu einem Taettowierer hereinspaziert, welcher wiederum, noch betrunkener als ich, mir ein voellig sinnfreies Arschgeweih (bin nicht wirklich ein Fan davon) zu Stechen versucht hat und darueber hinaus bei dieser Taetigkeit eingeschlafen ist. Ein Photo davon moechte ich aus Pietaetsgruenden nicht beibringen, allerdings ist die taeglich wechselnde Farbgebung schon gar koestlich-beachtlich.

Im Vorzeigeort Sartene, oder besser Sarte auf korsisch, haben wir letztes Jahr lediglich genaechtigt, dieses Mal spielen auf dem Hof der ueber dem Ort thronenden Schule. Der Blick von dort oben ist ebenso zauberhaft wie das Innenstaedtchen daselbst. Der Besuch hier ist ein „must be“, der zentrale Platz umgeben von kleinen Bars, Restaurants sowie der Kirche, und davon abzweigend viele kleine, nur fuer Fussgaenger beschreitbare Gassen, durch Torboegen hindurch, verwinkelt und malerisch laesst es die Phantasie vom frueheren Leben hier erbluehen.

Unser Konzert in Bastia auf dem Place du Marche mutet wie ein echter Hoehepunkt an, nicht nur des tollen Zuspruchs und der tobenden Begeisterung wegen, oder weil Grand Corps Malade sich wieder einmal die Ehre als Special Guest gibt. Man spuert einfach, hier kommen sie her, hier sind sie zu Haus, und ich darf dabei sein. Zeugnis davon gibt der Artikel in der Corse Matin, der groessten korsischen Tageszeitung.

Wie im letzten Jahr werden zum Abschluss der Konzerte Kinder auf die Buehne geholt. Zum Titel „Inseme Si Po“ bekommen sie wieder allerhand Percussion-Instrumente an die Hand (wie letztes Jahr zu „A Voce Rivolta“) und sorgen so fuer lebendige optische wie hoerbare Kulisse. Den allerletzten Song des Abends, welcher erst im Verlauf der Suedfrankreich-Tour entstanden ist:“Sin`A`L`Umanita“ unterstuetzen sie Texttafeln haltend, um dem Publikum das Mitsingen zu vereinfachen. Natuerlich sorgt dieses Szenario fuer Ruehrung und besonders stolze Eltern und Angehoerige.

So traumhaft geht es gleich weiter. In Calvi spielen wir wieder direkt neben dem Wasser und auch hier setzt sich die Serie der gesteigerten Besucherzahlen fort. Das gefaellt unserem Mixer Spiko sehr gut, wenngleich er sich der Sonne eher entzieht, was seinem Hamburger Teint zugute kommt. Fuer mich hat er etwas von Steven Seagal, dem Retter der Welt, ob seiner Statur und Haarpracht. Er ist ab und an schon mal das Opfer von Scherzen und nimmt`s mit norddeutscher Gelassenheit hin.

Nach der Show geht`s fuer alle nach Ajaccio, dort ist der naechste Gig und deshalb auch bereits in dieser Nacht unser Hotel. Obwohl mir alle abraten, nehme ich mit Joshua die Route entlang der Westkueste. Nun weiss ich auch, warum die anderen die etwas weitere, aber sicherlich schnellere Strasse ueber Corte waehlen. Dennoch bereue ich es nicht. Empfehlen kann ich die Strecke nur unerschrockenen Fahrern ohne Zeitnot mit nicht zu grossen Fahrzeugen. Einige laengere Passagen sind wahrhaftig wegen ihrer Enge nur fuer jeweils ein Fahrzeug passierbar. Wir haben bestimmt spektakulaere Aussichten verpasst, da tiefe Nacht, hatten aber oft Gesellschaft, vor allem von Kuehen, Ziegen, Fuechsen, Katzen, allerhand kleinerem Gekrabbel und Nachtvoegeln, unter anderem einer weissen Eule! Darueber hinaus galt es einige Male Steinen und Brocken auszuweichen. Irgendwann einmal moechte ich diese Fahrt tagsueber machen.

In Ajaccio mussten wir uns wiederum Napoleon unterordnen, wenngleich nur raeumlich.

Ansonsten natuerlich die im letzten Jahr bereits bebilderte spektakulaere Aussicht herunter vom
Place d´Austerlitz in den Golfe d´Ajaccio. Uns erwartet eine wunderbare Abschluss-Show des mittleren Tour-Blocks, es geht erfolgreich weiter. Hier ist uebrigens auch unser Backliner Pierrot daheim, ein lustiger Geselle, der von sich selbst behauptet (obwohl das natuerlich nicht stimmt): „Ich habe keine Ahnung von Musik, von Technik und Kabeln. Ich bin nur fuer die gute Laune hier!“

Der zweite Gioia-Tour-Abschnitt versprach schon vorab auf Grund der Orte und Venues ein einziges Highlight zu werden. Versprechen gehalten, glueckliche Menschen allerorten, vor, auf und hinter der Buehne! So kann es gerne weitergehen. Individuell bringe ich noch ein scharfes Gewuerz zum Ende des zweiten Hauptganges mit ein: An unserem Offday fahre ich mit Joshua nach Bonifazio, wo wir auf dieser Tour leider nicht spielen. Der Ort ist fuer mich fast noch schoener als alle anderen erlebten. Allerdings hat sich das herumgesprochen: viel zu viele Touristen…….
Unser Plan: im Zuge der Perseiden, jenes jaehrlich wiederkehrende Sternschnuppen-Ereignis vom 11. bis 13. August, wollen wir eine Nacht am Strand verbringen, dieses Mal auch dort schlafen!
Nun wird sich zeigen, ob mein Ruecken wieder voellig in Ordnung ist………

( Photos: Stella-Maria Guisepacci, Spiko, Joshua Meinert, Andy Doig )